Praxisleitfaden: der MACD

Kategorie: Trend- und Momentum-Indikator (Hybrid)


Der MACD im Überblick

Definition

MACD (gesprochen „Mäc-Die“) steht für Moving Average Convergence Divergence, also Konvergenz und Divergenz gleitender Durchschnitte.

Anders als der RSI, der zwischen 0 und 100 eingegrenzt ist, kennt der MACD keine Grenzen. Er soll Veränderungen in Stärke, Richtung und Dauer eines Trends sichtbar machen.

Die drei Bestandteile des MACD

Damit du ihn richtig liest, musst du wissen, dass er aus drei getrennten Elementen unterhalb des Kurscharts besteht:

  1. Die MACD-Linie (schnell): der Kern des Ganzen. Sie reagiert recht zügig auf Kursbewegungen.
  2. Die Signallinie (langsam): ein gleitender Durchschnitt der MACD-Linie. Sie fungiert als Auslöser für Kauf- und Verkaufssignale.
  3. Das Histogramm: die senkrechten Balken. Sie zeigen schlicht den Abstand zwischen MACD-Linie und Signallinie.

Schnelle und langsame Linie des MACD

Die Formel (Standard 12, 26, 9)

Hinweis: Das ist die Voreinstellung, die 90 % der Händler nutzen.

Es ist der Abstand zwischen einem kurzfristigen und einem langfristigen gleitenden Durchschnitt.


Der MACD in der Praxis

Das Grundsignal: die Kreuzung

Das ist die häufigste Anwendung:

  • Kaufsignal (bullische Kreuzung): Die MACD-Linie (schnell) durchbricht die Signallinie (langsam) nach oben.
    • Das Histogramm wechselt von negativ (rot) zu positiv (grün).
  • Verkaufssignal (bärische Kreuzung): Die MACD-Linie durchbricht die Signallinie nach unten.
    • Das Histogramm wechselt von positiv (grün) zu negativ (rot).

Kaufsignal im MACD

Der Kontext: die Nulllinie

Wo die Linien im Verhältnis zur Null stehen, ist entscheidend:

  • Über 0: Der übergeordnete Trend zeigt nach oben. Kaufsignale sind verlässlicher.
  • Unter 0: Der übergeordnete Trend zeigt nach unten. Verkaufssignale, auch für Leerverkäufe, sind verlässlicher.

Ein konkreter Anwendungsfall

Stell dir vor, der MACD steht sehr tief, deutlich unter null.

  1. Du siehst eine bullische Kreuzung: Die schnelle Linie schiebt sich über die langsame.
  2. Das ist ein Warnsignal, aber ein riskantes, denn der Trend zeigt weiter nach unten.
  3. Durchbricht der MACD anschließend die Nulllinie nach oben, ist das die Bestätigung: Der Trend hat gedreht.

Für Fortgeschrittene

Divergenzen im MACD

Wie beim RSI ist das ein sehr aussagekräftiges Signal für eine Trendwende.

  • Bullische Divergenz: Der Kurs markiert ein neues Tief, der MACD dagegen ein höheres Tief als zuvor. Der Verkaufsdruck lässt nach.
  • Bärische Divergenz: Der Kurs markiert ein neues Hoch, der MACD bildet aber ein niedrigeres Hoch. Der Anstieg ist hohl, Vorsicht vor einem Rückschlag.

Mit dem Histogramm vorausschauen

Offensive Händler warten nicht auf die Kreuzung der Linien, die etwas spät kommen kann. Sie beobachten das Histogramm.

  • Ist das Histogramm dunkelrot (kräftiger Rückgang) und wird heller oder schmaler (der Rückgang verliert an Tempo), kündigt sich die Kreuzung an. Ein früherer Einstieg wird möglich.

Die Zurückweisung der Nulllinie

In einem kräftigen Aufwärtstrend:

  1. Der MACD gibt zur Korrektur nach.
  2. Er nähert sich der Nulllinie, durchbricht sie aber nicht.
  3. Er dreht wieder nach oben: Die Linien kreuzen sich knapp über null erneut bullisch.
  4. Das ist oft der beste Moment, eine Position aufzustocken, denn der Trend setzt sich fort.

Der Rat von Investminder

Der MACD ist ein nachlaufender Indikator. Nutz ihn nicht in einem Seitwärtsmarkt, in dem der Kurs waagerecht pendelt: Die Linien kreuzen sich dort ständig und liefern dir Fehlsignale. Seine Stärke spielt der MACD aus, wenn der Markt eine klare Richtung hat.

Von der Theorie in die Praxis

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